Des Kopfes Zierde

 - eine Studie zu den Kopfpunkten der Zwerg-Haubenhühner -

 

Als vorletzte Gruppe in der Rassenreihenfolge auf Ausstellungen finden sich bei den Zwerghühnern in der Gruppe VI die verzwergten Haubenhühner und ihre Verwandten. Zu dieser Gruppe gehören insgesamt 11 Rassen:

Zwerg-Paduaner, Zwerg-Holländer Haubenhühner, Zwerg-Seidenhühner, Siamesische Zwerg-Seidenhühner, Zwerg-Houdan, Zwerg-Crèvecoeur, Zwerg-Brabanter, Zwerg-Breda, Zwerg-Eulenbarthühner, Zwerg-La Flèche und Zwerg-Augsburger.

Diese Gruppierung erscheint bei dem Blick auf die eine oder andere Rasse gegebenenfalls doch etwas willkürlich und man stellt sich die Frage, was haben diese Rassen denn alle gemeinsam?

Zur Beantwortung muss man einen Blick auf die Kopfpunkte werfen und neben der Vollhaube oder dem Schopf den Blick auch gleichzeitig auf den Schnabel und die dort vorhandenen Nasenlöcher richten. Aufgeweitete, aufgeworfene oder wie man auch sagt aufgetriebene Nasenlöcher sind das klassische Erkennungszeichen eines Haubenhuhnes. Nicht immer, aber in vielen Fällen zudem gekoppelt mit einem hufeisenförmigen Quersattel  über dem Oberschnabel.

Klassische (Voll-)Haubenhühner sind jedoch nur die Zwerg-Paduaner, Zwerg-Holländer Haubenhühner, Zwerg-Houdan und Zwerg-Crèvecoeur.

Eine Gruppe mit einer Vielzahl an Übereinstimmungen in den Rassemerkmalen, welche bei genauem Hinsehen aber doch wieder kaum unterschiedlicher sein können.

Zuerst sei mit einem Seitenblick auf die großen Vettern dieser Zwerge der heimatliche Ursprung und somit der erste Unterscheidungspunkt festgestellt.

Bei den Zwerg-Holländer Haubenhühnern und Zwerg-Paduanern (De Nederlandse Kuif- en Baardkuifhoender) handelt es sich um das Zwergformat der niederländischen Nationalrassen schlecht hin. Die Zwerg-Houdan und Zwerg-Crèvecoeur dagegen sind (zumindest bei den großen Hühnern) als echte Franzosen einzusortieren.

Aber zurück zu den Rassemerkmalen. Hier soll das Augenmerk auf die Kopfpunkte gerichtet werden. Haube, Bart, Kehllappen, Kamm und Ohrscheiben sowie der Schnabel mit seinen Nasenlöchern sollen einmal vergleichend gegenüber gestellt werden.

Bei der Haube ist vorab für alle Rassen anzumerken, dass unter Berücksichtigung des Tierschutzes selbstverständlich Sichtfreiheit gegeben sein muss. Hierbei ist vorrangig auf eine zum Tier passende Haube - all so weder zu groß, aber auch nicht zu klein - zu achten. Da Vollhaubenhühner alle eine starke Schädelerhöhung (Protuberanz) zeigen dürfte sich auch dem Laien auf den ersten Blick erschließen, dass diese zwingend Einfluss auf die geforderte Sichtfreiheit haben muss.

 Sichtfreiheit wird durch eine hohe Protuberanz positiv beeinflusst während eine breite Wölbung des Schädels, verbunden mit überhängenden Augenwülsten, stets sichtbehindernd wirkt. Zur Schauvorbereitung und dem erlaubten Putzen zum Abschluss noch einige Worte.

Zurück zur Haube. Beim Vergleich der Kopfstudien der 4 Rassen sind in der Form dieses Merkmales rassetypische Unterscheidungen zu erkennen. Beim Zwerg-Holländer Haubenhuhn haben wir eine gleichmäßige Rundhaube mit schmalen herabfallenden Haubenfedern welche den Kopf hinten und seitlich umschließen.  Bei der Henne dicht und kugelförmig.

Diese volle Rundhaube ist auch den anderen 3 Rassen zueigen, nur halt, dass hier ein seitliches Umschließen des Kopfes nicht gegeben ist. Bei den Franzosen wird die Haube zudem mehr zurückgeworfen getragen. Bei den Hennen dieser beiden Rassen fehlt zudem im Gegensatz zum Zwerg-Paduaner im Standard die Angabe „…fest …“ zur Haube. - Und tatsächlich, die Hauben sind hier auch wesentlich lockerer und kommen somit an die „Tennisbälle“ der niederländischen Rassen nicht heran. Deren „Tennisbälle“ sollten in ihrer Vollendung aber nicht dazuneigen im Nacken auszulaufen und einen Zopf zu bilden. Zopfbildung darf bei entsprechend deutlicher Ausbildung ruhig zu einem Punktabzug bei der Bewertung führen.

Das nächste gefiederte Merkmal ist der Bart. Insoweit abweichend sind lediglich die Zwerg-Holländer Haubenhühner. Diese zeigen keinen Bart sondern mittellange, gutgerundete Kehllappen welche auch im weiblichen Geschlecht bei der Bewertung vorhanden sein sollten um den Notenspiegel anzuheben. Aber die anderen Rassen sind im Hinblick auf die Bartbildung auch nicht einheitlich.  Die Zwerg-Paduaner haben einen vollen und ungeteilten Bart. Während die Teilung des Bartes bei den Zwerg-Crèvecoeur zwar nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, aber trotzdem gegeben sein soll, ist diese bei den Zwerg-Houdan mit dreigeteiltem Backen- und herabfallendem Knebelbart keinesfalls zu übersehen. Obwohl die Bartbildung der Ausprägung von Kehllappen entgegensteht sind auch bei den anderen drei Rassen immer wieder Kehllappen vorhanden. Das diese lediglich in einer Größe akzeptiert werden können, die durch den Bart verdeckt wird versteht sicht von selbst. Eine Beanstandung dieser verdeckten Kehllappen verleitet nur zu unerwünschten Manipulationen am Tier. Da der Grundsatz (durch Bart verdeckte Kehllappen) im Leben stets auch eine Ausnahme zulässt, so gibt es diese auch hier. In der struppfiedrigen Variante der Zwerg-Paduaner sind bedingt durch die Gefiederstruktur beim Hahn kleine Kehllappen sichtbar. Die nachfolgende Bemerkung zielt zwar nicht mehr auf den Kopf ab, ist aber im Zusammenhang mit dem Bart zwingend mit anzugeben. Alle Hühnerrassen mit Bartbildung zeigen aufgebauschtes Halsgefieder (Hengstnacken/Nackenkrause).

Die Zierde des Kopfes ist bei jeder anderen Hühnerrasse der Kamm – nicht so zwingend bei den Zwerg-Haubenhühnern. Bei den niederländischen Rassen, den Zwerg-Holländer Haubenhühnern und den Zwerg-Paduanern trifft der Standard insoweit eine klare Aussage: Kamm fehlt. Letztes Überbleibsel stellt bei den Zwerg-Holländer Haubenhühnern insoweit eine in Einzelfällen auftretende leichte Rötung an der Schnabelwurzel dar. Bei den Zwerg-Paduanern findet man da schon manch einmal noch etwas mehr. Kammfleisch tritt je nach Zuchtstand der einzelnen Farbenschläge leider auch heute noch immer wieder auf. Die Bildung von Kammfleisch ist für eine Note ab 93 Punkte aufwärts jedoch nicht akzeptabel. Kamm fehlt? – nicht so die Franzosen. Hier findet man zwei ausgesprochen interessante Varianten  der Kammbildung. Bei den Zwerg-Crèvecoeur stellen zwei gleichförmige, runde und ein wenig gebogene Hörner eine Zierde des Kopfes dar. Das diese Hörner keine Auswüchse haben dürfen und demnach auch nicht blätterartig aussehen sollen liegt auf der Hand

Das Beste am Zwerg-Houdan ist für meinen Geschmack sein Schmetterlingskamm. Er besteht in der Regel aus zwei nebeneinander liegenden Blättern in mittlerer Größe. Diese sollen dabei flach und mit mäßig großen Einzackungen versehen sein. Im Idealfall erinnert er wirklich an die Flügel eines Schmetterlings oder die Geweihschaufeln eines Elches. Das ja niemand auf die Idee kommt hier nach Gabel- oder Doppelzacken zu suchen, die gibt es nur bei einfachen Kämmen! In der Mitte muss man Unebenheiten schon dulden, aber keinen einreihigen Kamm. Auch eine dem Becherkamm ähnliche Kammbildung entsprechend den Augsburgern muss man zumindest kritisch im Auge behalten. Wenn beim Augsburger schon mehr als 2 Kammzacken unerwünscht sind, dann sollte beim Schmetterlingskamm der Zwerg-Houdan diese Zackenzahl erst gar nicht erreicht werden.

Von den Kopfpunkten ist nach diesem Überblick nicht mehr viel geblieben. Interessant sind noch die Ohrscheiben und der Schnabel mit den aufgeworfenen Nasenlöchern. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Farbe der Ohrscheiben ist lediglich bei den Zwerg-Holländer Haubenhühnern von Interesse für die Bewertung. Weiß sollen sie hier sein, geringe, aber auch wirklich nur geringe rote Einlagerungen sind gestattet. Bei den anderen 3 Rassen wird im Standard sowohl der Begriff Ohrlappen (somit grds. rot) als auch Ohrscheiben (somit grds. weiß) verwendet. Aber die Farbe ist in allen Fällen für die Bewertung belanglos. Dieser Punkt wird stets durch den Bart verdeckt und was man bei der Bewertung nicht sehen kann muss auch keine Berücksichtigung bei der Notenvergabe finden.Bei der Besprechung des Schnabels will ich nicht auf die Farbvarianten eingehen, diese sind je nach Rasse und Farbenschlag unterschiedlich, sondern die Nasenlöcher sind hier von Interesse. Mit den Bezeichnungen aufgetriebene Nasenlöcher (Zwerg-Holländer Haubenhühner), stark aufgerichteten Nasenlöchern (Zwerg-Paduaner), aufgeworfene Nasenlöcher (Zwerg-Houdan) und etwas aufgeworfene Nasenlöcher (Zwerg-Crèvecoeur) sind diese in keiner Art und Weise übereinstimmend bezeichnet. Und, sie sehen tatsächlich auch nicht bei allen Rassen gleich aus. Während die niederländischen Nationalrassen im Zwerghuhnformat immer die klassische Hufeisennase in beiden Geschlechtern zeigen ist sie in dieser Ausprägung beim Zwerg-Houdan nicht vorhanden.

Zum Abschluss sei noch einmal auf die bereits zu Anfang angesprochene Sichtfreiheit der Zwerg-Haubenhühner eingegangen.

Entsprechend den „Beschlüsse und Richtlinien zur Bewertung“ des BDRG muss Sichtfreiheit bei diesen Rassen gegeben sein. Bei den Tieren, bei denen derzeit noch nicht mindestens von schräg vorn gesehen, die Augen erkennbar sind, sollen die die Sichtfreiheit behindernden Federn so beschnitten werden, dass sie die darüber liegenden Federn stützen. Dementsprechend ist bei diesen Rassen auch die Angabe „Putzen zur Verbesserung der Sichtfreiheit gestattet“ im Standard verankert worden. Das Ziehen dieser Federn ist jedoch nicht gestattet. Sie sind mit einer Schere an der Federwurzel zu schneiden. Eine entsprechende Kontrolle erfolgt bei der Bewertung mit einer Anhebung der Haube und einem schnellen Blick auf die Augenwülste. Gibt es hier Kahlstellen ist die Vergabe der „Note“ o.B. die Folge. Das sichtbare Beschneiden der Federn (Putzen) ist bis auf weiteres gestattet. Entsprechend sichtbar geputzte Tiere dürfen nicht mit den Noten hv 96 bzw. V 97 bewertet werden.

Insoweit jedoch bitte keine Schnellschüsse. Bei den Zwerg-Holländer Haubenhühnern wird die farbige Schnippe (Schmetterling) über dem Schnabel seit der Existenz dieser Rasse im Rahmen der Schauvorbereitung geputzt. Dieses Putzen ist, gut gemacht, von außen nicht sichtbar und hat zudem nichts mit dem Putzen zur Wahrung der Sichtfreiheit zu tun. Auch bei einem geputzten Schmetterling ist die Note hv 96 bzw. V 97 demnach meines Erachtens möglich.

 

Porta Westfalica, im Juni 2009

Günter Droste

 

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