Hühner in der tiergestützten
Therapie
Schütteln Sie nicht den
Kopf und denken Sie bitte nicht: „die Zahl der Spinner
wird doch immer größer“. Hühner sind ausgezeichnete
Co-Therapeuten und verstehen es ganz hervorragend
Menschen zu verzaubern und zu motivieren, Dinge zu tun,
von denen Außenstehende dachten: „Das kann er oder sie
doch noch nicht“, oder „das kann er oder sie schon lange
nicht mehr, oder „das weiß er oder sie schon lange nicht
mehr“.......
Gemeint ist hier das
bewusste Anstoßen scheinbar verschütteter Ressourcen
z.B. in der Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen.
Hühner als Gäste in Altenheimen oder Tageseinrichtungen
sind durchaus, in einigen Häusern, gern gesehene und
gern genutzte „Co Therapeuten“, ihr Einsatz ist übrigens
längst keine Seltenheit mehr. Zunehmend nutzen
Einrichtungen die positive Wirkung von Tieren.
Viele alte Menschen,
gerade in ländlichen Regionen, hatten im Laufe ihres
Lebens viel mit Hühnern zu tun und (für
hühnerbegeisterte Menschen völlig verständlich) diese
Begeisterung für die Tiere, die gräbt sich in der Seele
fest und tief ein.
Wer in seinem Leben
diese Begeisterung für Natur und Tiere spürte, wir reden
hier übrigens von der Biophilie, der Liebe zum Leben
und zu allem Lebendigen, der wird selbst im dementen
Zustand, eine Erinnerung und ein Lächeln haben, wenn er
oder sie, als alter Mensch wieder ein Tier auf dem Schoß
halten darf.
Viele alte Menschen
beginnen bei diesem kleinen Kontakt ganz schnell Bilder
aus der eigenen Kindheit hervorzuholen, oder sie
berichten vom Leben auf ihrem Hof. Eine mitunter längst
vermisste Lebensfreude blitzt auf einmal wieder auf,
wenn sie zum Beispiel ein Huhn streicheln. Geschichten
werden erzählt, die längst als verschollen galten.
Als ganz junge
Berufsanfängerin hatte ich im Blick auf den emotionalen
Wert von Tieren ein Schlüsselerlebnis auf einer
Gerontopsychiatrischen Station. Ich schaute mir mit
einer alten Dame, die bereits 22 Jahre nicht mehr
gesprochen hatte, das alte und bekannte Fotobuch „Nils
Holgersson“ an. Ich erzählte ihr von meinen Gefühlen und
Erlebnissen, von meiner Liebe zu Tieren und der
Begeisterung für die Gänse. Sie schaute mich an und
begann ganz plötzlich mit stockender Stimme zu erzählen,
von ihrer Liebe zum Geflügel, von ihren Tieren, ihrem
Geflügel aus der Kindheit und sie erzählte und
erzählte, unter Anderem, dass dieses Buch ursprünglich
ein Geographieschulbuch für schwedische Kinder werden
sollte. Sie erzählte langsam und stockend, dabei aber
glasklar in ihren Gedanken.
Über unsere gemeinsame
Begeisterung für die Tiere war es mir anhand eines alten
Fotobuchs für einen Augenblick von etwa 5 Minuten
gelungen, diese kluge und wunderbare Frau aus ihrer
Stille herauszuholen. Das ganze Pflegepersonal lief
damals zusammen und hörte mit Tränen in den Augen zu,
wie sie da saß und mir völlig orientiert von ihren
Tieren aus der Vergangenheit erzählte. Sie hat nach
diesem Tag und bis zu ihrem Tod nicht mehr ein Wort
gesprochen.
Gerade Ergotherapeuten
oder Altenpflegerinnen machen sich diese Empathie
zunutze und setzen ganz gezielt z.B. Hühner im
therapeutischen Setting in der geriatrischen Pflege
ein. Hühner sind, je nach Rasse, sehr schnell zahm zu
bekommen, sie lassen sich ausgesprochen gerne
streicheln, am Hals oder unter dem Gefieder kraulen.
Selbstverständlich ist
eine gute Gesundheit der Tiere auch hier, das A und O.
Die Hygiene spielt in
Einrichtungen z.B. der Altenhilfe, in denen zusätzlich
gepflegt wird, eine ganz wichtige zentrale Rolle und
muss daher immer ausreichend bedacht und beachtet
werden.
Tiere motivieren den
Menschen Dinge zu tun und Anstrengungen in Kauf zu
nehmen, die viele Außenstehende nur mit dem Kopf
schütteln lässt.
Ich habe gerade für eine
Kinder und Jugendhilfe Einrichtung, in der ich arbeite,
ganz bewusst Seidenhühner mit den Kindern
gekauft.
Diese Rasse eignet sich
hervorragend, da die Tiere schnell zahm werden, dem
Bedürfnis nach Nähe entsprechen und durch ihr besonderes
Gefieder trotzdem kuschelig aussehen und zum Streicheln
einladen.
Für soziale
Einrichtungen eignet sich diese Rasse besonders gut, da
die Tiere eigentlich nicht fliegen und längst nicht so
intensiv scharren wie andere Hühner.
Diese Hühner werden
besonders schnell zahm und haben eine bezaubernde
Freundlichkeit. Kinder und Jugendliche fühlen sich
emotional angesprochen.
Das Ziel in der
pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist
dabei recht weit gestreckt, sie alle sollen ein
möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit, an
persönlicher Kompetenz, an Sozialkompetenz erlangen,
sie sollen eine Stärkung der eigenen Person und damit
der „Ich Kompetenz“ erfahren .....
Die langsame Übernahme
von Verantwortung, die Auseinandersetzung mit den
einzelnen Aspekten der Tierhaltung und die letztendlich
erworbene Kompetenz im Blick auf Sach- und
Fachkompetenz, ist für Kinder und Jugendliche ein
wichtiger Schritt hinein in das selbstverantwortliche
Leben.
Tierhaltung berührt die
Seele und die Sinne, sie lädt die jungen Menschen ein,
still zu beobachten und so langsam ein Gefühl der
Empathie zu entwickeln.
Nicht zuletzt wird die
Motorik der jungen Menschen auf vielschichtige Weise
gefordert und gefördert, sie müssen die Tiere unter
Anleitung versorgen, Gerätschaften säubern, Füttern und
Tränken, sich mit Stalltechnik auseinandersetzen,
Fertigkeiten und Fähigkeiten recht unterschiedlicher
Schweregrade trainieren. Sie lernen auch, dass Dinge
immer getan werden müssen.
Diese Tiere machen
Arbeit, aber sie schenken den Kindern auch etwas ganz
reales und greifbares zurück, die Eier. Die zu essen
haben die Kinder und Jugendlichen sich am Ende dann
wirklich redlich verdient.
Hühnerhaltung zeigt
etwas sehr Wichtiges für Kinder und Jugendliche auf.
Geben und Nehmen muss
immer aufeinander abgestimmt sein, nur dann, wenn
Hühnerhaltung richtig und für die Tiere artgerecht
durchgeführt wird, wirklich nur dann, werden die Hühner
auch ihren Teil dazu tun und den Einsatz der Kinder mit
Eiern und Gesundheit entlohnen. Die Achtsamkeit ist
ein wesentlicher Teil der Sozialkompetenz und
Tierhaltung. Die Hühnerhaltung lädt junge Menschen dazu
ein.
Tiergestützte Therapie
wird immer zielgerichtet geplant und ist in der Regel
eingebunden in einen zuvor ermittelten Hilfebedarf, der
für jeden Menschen in einer Einrichtung individuell
erstellt, geplant und regelmäßig überprüft wird.
Tiergestützte Therapie erfordert Fachwissen und wird nur
von ausgebildeten Fachleuten ausgeführt.
Sollten Sie mehr über
die tiergestützte Therapie wissen wollen, dann
informieren Sie sich bitte unter:
www.aatla.de www.lernen-mit-tieren.de
www.tiergestuetzte-therapie.de
Für Fragen oder Infos
stehe ich gerne zur Verfügung : info@aatla.de
Ingeborg Andreae de Hair
Zu meiner Person:
1958 wurde ich, Ingeborg
Andreae de Hair als Tochter eines Zoodirektoren
geboren. Diese Kindheit prägte das eigene Leben und
Erleben ganz nachhaltig und maßgeblich. Beide Eltern
schrieben jahrelang für die Zeitschrift „Der kleine
Tierfreund“ und so lag es nahe, den später erlernten
Beruf der Dipl. Sozialpädagogin u. Familientherapeutin,
Gestaltberaterin und Traumafachberaterin mit der
tiergestützten Therapie zu ergänzen. Eine
Kindheitsvision !
Seit 1986 setze ich
Tiere gezielt in der Arbeit mit Menschen ein, wobei für
mich immer die Ursprünglichkeit und echte Lebendigkeit
des jeweiligen Tieres im Vordergrund steht.
Seit 2007 betreibe ich
mit einer Kollegin, Heike Höke aus dem Kreis Höxter ein
Ausbildungsinstitut für Tiergestützte Therapie, das
Institut AATLA.
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