Perlgraue Gedankenspiele

Es liegt nun schon einige Jahre zurück, dass ich die perlgrauen Seidenhühner aus den Niederlanden importiert habe und Hermann-Josef Gerling sich kurz danach mit den Zwerg-Seidenhühnern in der gleichen Farbe ebenfalls auf den Weg von West nach Ost machte.

Seit der Anerkennung des Farbenschlages in beiden Größenformaten hat inzwischen eine doch recht zufrieden stellende Verbreitung stattgefunden. Ein Nebeneffekt der Verbreitung eines Farbenschlages ist jedoch immer auch eine sich daran anschließende Streuung in der Qualität.

Ich möchte daher hier einige Gedanken insbesondere zur Farbe zu Papier bringen:

Der Standard beider Rassen beschreibt Perlgrau mit „gleichmäßiges zartes Hellblaugrau. Leichte Pfefferung beim Hahn im Schmuckgefieder und bei der Henne im Schopf- und Nackenbereich".

Wenn ich mir diese Beschreibung Wort für Wort auf der Zunge zergehen lasse kann ich den Begriff Gleichmäßig auch mit Einheitlich erklären um dann zum Knackpunkt dieser Zeilen zu kommen: zartes Hellblaugrau. Ein weicher und freundlicher, eben ein heller Farbton ist anzustreben.

Ob man Perlgrau nun mit zartes Hellblaugrau wie beim Seidenhuhn oder mit gleichmäßiges helles Graublau wie beim Antwerpener Bartzwerg oder dem Deutschen Zwerghuhn mit helles gleichmäßiges Blaugau definiert ist sicherlich Wortklauberei. Worauf ich hinaus will ist das Wörtchen HELL. In jeder Farbbeschreibung finde ich es wieder – zudem als einleitendes Wort der Farbbeschreibung.

Zuchtfreunde, macht die Grundfarbe in euren Beständen nicht zu dunkel. Perlgrau ist nun einmal heller als ein gewöhnliches Grau.

Ich habe im vergangenen Jahr Junghennen gesehen, die hatten eine Pfefferung nicht nur im Schopf und Nacken sondern auch über das schon recht dunkle Mantelgefieder verteilt – eine Streicherente kann keine schönere Strichelung zeigen. Verzeiht mir dieses etwas bissige Wortspiel aber Vergleiche prägen sich zumeist am Besten ein.

Die Zukunft wird zeigen wie sich der Farbenschlag beider Rassen weiter entwickelt - nur es sollte in die gleiche Richtung gehen.

Jedoch meine ich, dass man ruhig aus den Fehlern anderer lernen darf und diese nicht erst zwingend für die eigene Erkenntnis selbst machen muss. Worauf ich hinaus will? In „Die bunte Welt der Antwerpener Bartzwerge" beschreibt Hans-Dieter Prekel die Vor- und Nachteile bei der Auseinandersetzung um die „richtige" Farbe dieser Rasse. Dort erwähnt er, dass die dunkleren Tiere meist schmale Federn und ein krauses Gefieder hatten, die helleren jedoch gleichmäßiger in der Färbung seien und mit einer glatten und breiten Feder aufwarten können.

Unabhängig davon, dass die Pfefferung bei der Henne nur etwas im Schopf und Nacken zu suchen hat dürfte eine breite Feder für die Erlangung der typischen Form und Federstruktur unserer Rassen doch nur von Vorteil sein, oder?

Nun jedoch zu einem anderen Gedankenspiel diese Farbe betreffend:

Wo und wie kann ich gegebenenfalls mangels entsprechender Zuchttiere anderweitige Anleihen machen?

Wir sind also beim Thema:

Vererbung.

Der perlgraue Farbenschlag lässt sich nach meinen eigenen Erfahrungen hervorragend mit schwarz kombinieren um das eine oder andere Rassemerkmal zu verbessern.

Nachfolgende Hinweise sollten bei den entsprechenden Verpaarungen berücksichtigt werden um vor Enttäuschungen geschützt zu sein.

Perlgrau wird im Rassegeflügelstandard als ein reinerbig und als ein stark verdünntes Schwarz mit unterdrücktem Goldfaktor beschrieben.

Diese Reinerbigkeit bezieht sich jedoch nur auf die Verpaarung von perlgrau x perlgrau. In der Kombination mit einer anderen Farbe vererbt es sich – nach meiner Erfahrung auf jeden Fall im Verhältnis zu schwarz – rezessiv, d.h. rückweichend oder unterdrückt werdend.

Die Kombination von perlgrau x schwarz oder schwarz x perlgrau ergibt in der F 1 immer schwarz.

Wenn nun diese F 1 wieder unter sich verpaart wird erhalten wir folgendes Zahlenverhältnis: 25 % perlgrau und 75 % schwarz.

Bedingt dadurch, dass beide Elternteile spalterbig für perlgrau bzw. schwarz sind handelt es sich in der Nachzucht nun um 25% reinerbig schwarze, 50% spalterbig perlgraue (was nicht sichtbar ist, da rezessiv, d.h. diese Tiere sind optisch auch schwarz) und 25% reinerbige perlgraue.

Friedrich Regenstein (1979, Vererbung bei Hühnern und Tauben, Seite 80) geht bei der Verpaarung von einem spalterbigen schwarzen F 1-Hahn mit einer perlgrauen Henne davon aus, dass perlgraue Küken beiderlei Geschlechts schlüpfen. Eine Angabe, die nach meiner Erfahrung zutreffend ist. Bei der Verpaarung von 2 spalterbigen Tieren (d.h. also 2 x schwarz mit der verdeckten Anlage für perlgrau) geht Regenstein von ¾ schwarzer und ¼ perlgrauer Nachzucht aus (s.o.), wobei diese 25 % dann Hennen wären. Demnach läge bzgl. der Farbe perlgrau ein geschlechtsgebundener Faktor vor. Hier verlassen mich meine Aufzeichnungen bzw. meine Erinnerung. Vielleicht probiert es ja einmal jemand gezielt aus?

Aus diesen Ausführungen wird aber auch ersichtlich, das nun in vermeintlich rein schwarzen Zuchtstämmen perlgrau über Generationen verdeckt weitergegeben werden kann, wenn man immer wieder spalterbige schwarze – welche ja das perlgrau nicht sichtbar in sich tragen – in schwarzen Zuchtstämmen eingesetzt werden.

Porta Westfalica, im August 2006

Günter Droste

Zuchtwart für Seidenhühner