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Treffen mit dem
Wissenschaftlichen Geflügelhof
Auf der
Nationalen Rassegeflügelschau in Dortmund trafen
sich Günter Droste und Norbert Niemeyer mit der
Leiterin des WGH, Frau Dr. Tiemann zu einem
Informationsgespräch. Es wurden Ansichtsweisen
und Eindrücke ausgetauscht und es wurden einige
falsch wiedergegebene Zitate klargestellt. Frau
Dr. Tiemann machte uns klar, das Sie, wenn
weiter Tiere mit fehlender Sichtfreiheit
ausgestellt werden würden, keine Argumente mehr
hätte gegenüber unseren Feinden. Ihr seien die
Hauben tragenden Rassen so ans Herz gewachsen,
das es Ihr sehr weh tut, wenn die Tiere Probleme
bekommen würden. Ebenso war sie keineswegs
begeistert über unsachgerechte Kritik, auch in
der Presse, oder über ein generelles Verbot des
Schneidens zur Schaffung der nötigen
Sichtfreiheit, das Beschneiden, ohne das es von
außen zu sehen ist, fand Ihre Zustimmung. Wir
erklärten unserer Gesprächsteilnehmerin, das wir
in unserem Sonderverein nur ganz ab und zu
Ausreißer bei der Sichtfreiheit hätten und diese
von den Sonderrichtern konsequent mit o.B.
bestraft würden. Anders sieht es bei den nicht
im SV organisierten Züchtern aus. Da stimmten
wir zu, das es ab und zu haarsträubende
Beispiele auf kleineren Schauen gibt, wir aber
als SV keine Möglichkeiten sehen hier mehr zu
tun als wie wir bereits in der Vergangenheit
gemacht haben, wie z.B. Vorträge in den
Preisrichtervereinigungen, Presseartikel,
Diareihen und nicht zuletzt unser Rundschreiben.
Zum Abschluss des Gespräches dankten wir Frau
Dr. Tiemann für Ihre Bereitschaft den nicht
einfachen Weg mit uns gemeinschaftlich zu gehen
und wir sagten Ihr zu, ab sofort jedes
Rundschreiben an sie zu senden und in
Abwesenheit von Patrick Tolle sagte wir Ihr
einen neuen Zuchthahn der großen Holländer
Haubenhühner zu, was sie sehr erfreute, denn
neues Blut, das kann jeder gebrauchen.
Norbert Niemeyer
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Die gewünschte Sichtfreiheit
von Haushühnern am
Beispiel des Holländer Haubenhuhns
Vögel gelten
über alle Gattungen hinweg als "Augentiere", d.h. sie
nutzen die visuelle Wahrnehmung als Informationsquelle
in den verschiedensten Situationen. Im besonderen Maße
sind entsprechende Verhaltensweisen an Hühnern
untersucht worden. Ausführliche Beschreibungen finden
sich beispielsweise bei Engelmann (1952) oder Wood-Gush
(1971). Auch die aktuelle Forschung rund um das Haushuhn
beschäftigt sich nach wie vor mit dieser Thematik (Dawkins,
1995).
Grundlegende
Untersuchungen zum Gesichtskreis der Hühner wurden in
erster Linie von Picard und seinen Mitarbeitern
vorgenommen. Die linke Hirnhemisphäre erhält aufgrund
der Anatomie des visuellen Systems die Information aus
dem rechten Auge, entsprechend umgekehrt verarbeitet die
rechte Hemisphäre Informationen aus dem linken Auge.
Dabei werden nicht nur einfach Sehinformationen
weitergeleitet. Vielmehr nutzt das Huhn das rechte Auge
zur Unterscheidung von Futter und "Nicht-Futter". Das
linke Auge, und damit die rechte Hemisphäre, sind darauf
spezialisiert, Objekte im allgemeinen zu erkennen. Auch
wenn es beim Fressen so aussieht, als ob das Huhn
"blind" picken würde, so wird das Ziel zunächst mit den
Augen fixiert, die erst beim Picken selbst geschlossen
werden. Aber das Sehen wird nicht nur zur Futteraufnahme
genutzt, einen viel wichtigeren Teil nimmt nicht diese
Form der Wahrnehmung im Sozialleben ein. Hennen können
sehen, ob die Nachbarhenne in der
Hackordnung einen höheren oder niedrigeren Rang
einnimmt. Diese Unterscheidung wird genutzt, um ein
unterwürfiges oder dominantes Verhalten auszulösen.
Um so wichtiger
ist für die art-, bzw. rassegerechte Haltung, daß Hühner
bestimmte Bereiche ihres Gesichtsfeldes für ihre
visuelle Wahrnehmung nutzen können (siehe Abb. 1). Der
Gesichtsbereich, der direkt vor dem Schnabel zu finden
ist, kann von beiden Augen gleichzeitig wahrgenommen
werden und wird deshalb binokularer Bereich genannt.
Dieser Bereich wird vor allem für die Futteraufnahme und
das Erkennen von Sozialpartnern genutzt. Die anderen in
der Abbildung eingezeichneten Winkel des Gesichtfeldes
werden nur von einem Auge ( monokular ) wahrgenommen und
dienen der Wahrnehmung von Bewegungen in der Ferne. Für
ein Huhn besteht der Bereich des schärfsten Sehens bei
ungefähr 30 cm. jedes Objekt, daß weiter entfernt ist,
wird zunächst nur mit einem Auge "gemustert".
Ich möchte zum
einen aufgrund dieser wissenschaftlich fundierten
Erkenntnisse von Picard et al. ( 2002 ) und meiner
persönlichen Erfahrungen aus mehreren Jahren
"intensiver Zusammenarbeit" mit Holländer Haubenhühnern
darauf hinweisen, daß die angesprochenen Bereiche des
Gesichtsfeldes für das Normalverhalten der Tiere
essentiell sind. Mein Wunsch nach einem freien
Gesichtsfeld, das in der beschriebenen Weise eng mit dem
Verhalten der Tiere gekoppelt ist, gilt für alle
Hühnerrassen. Ich würde mir wünschen, daß die Züchter
der Holländer Haubenhühner mit gutem Beispiel vorangehen
und ich züchterisches Wissen nutzen, um dem Verhalten
der Tiere entgegen zu kommen.
Dr. Inga Tiemann
Wissenschaftlicher Geflügelhof des BDRG
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Literatur:
ADDIN EN.REFLIST Andrew, R. J. &
Dharmaretnam, M. 1993. Lateralization and strategies of
viewing in the domestic chick. In: Vision, Brain and
behaviour in birds (Ed. by Zeigler, H. P. & Bisch,
H.-J.). Cambridge: Mit Press.
Dawkins, M. S. 1995. How do hens view
other hens? The use of lateral and binocular visual
fields in social recognition. Behaviour,
132, 591-606.
Engelmann, C. 1952. Versuche über den Gesichtskreis des
Huhns. Zeitschrift für Tierpsychologie, 9,
91-102.
Picard, M., Melcion, J. P., Bertrand,
D. & Faure, J. M. 2002. Visual and tactile cues
perceived by chickens. In: Poultry feedstuffs:
supply, composition and nutritive value (Ed. by
McNab, J. M. & Boorman, K. N.), pp. 279-300.
Wallingford: CAB International.
Wood-Gush, D. G. M. 1971. The
behaviour of the domestic fowl. Alton: Nimrod Press.
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| Abbildung 1: Schema des visuellen
Gesichtsfeldes bei Hühnern. Zu sehen ist das frontale
binokulare Feld und die präferierten Winkel des
lateralen und monokularen Feldes (Zeichnung entnommen
aus Picard et. al., 2002). |
 
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