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Selektionskriterien in der Aufzucht von Seidenhühnern
„Schreib
doch einmal etwas über die Selektionskriterien, die Du
in der Aufzucht Deiner Tiere zu Grunde legst.“ - Das war
die Vorgabe aus der die Überschrift zu diesen Zeilen
entstanden ist.
Fast
könnte man dahinter schon glückselig machende
Wunderdinge erwarten, aber es sind doch nur meine
eigenen persönlichen Erfahrungswerte aus den vergangenen
25 Jahren der Zucht dieser Rasse. Anspruch auf
Unfehlbarkeit wird nicht erhoben.
Die
schwierigsten Momente im Leben sind ja immer die, gleich
nach der Geburt. Auf die Seidenhühner übertragen, die
Minuten nach dem Schlupf, wenn ich die Küken der
Brutmaschine entnehme.
Hier gilt
der erste Blick in der Regel den Zehen und damit ihrer
Stellung und Trennung sowie den Zehennägeln. Bei den
Zehennägeln findet man an der Hinterzehe und der 5. Zehe
ab und an das unerwünschte Kuriosum, das dort nicht nur
1 Kralle sondern 2 und in seltenen Fällen auch noch mehr
Krallen zu finden sind oder das die „eine“ Kralle stark
verdickt und mit einer Kerbe leicht geteilt ist. Auch in
diesem Fall handelt es sich um 2 Krallen welche schon
wieder so dicht zusammen liegen, dass sie
zusammengewachsen sind.
Der
Standard trifft dazu unter den groben Fehlern keine
Aussage. Diese Punkte sind zu den Ausschlussfehlern der
AAB unter Missbildung des Skeletts einzuordnen.
Ein
weiterer Punkt ist die Zehenstellung. Auch Seidenhühner
können Entenzehen haben - und für den Fall, dass sie
welche haben sollten zeigen sie diese bereits schon
jetzt. Oft kombiniert mit einer nach unten zeigenden 5.
Zehe. Auch die Küken mit einer bereits jetzt erkennbaren
mangelhaften Trennung zwischen Hinterzehe und 5. Zehe
fallen durch das erste kritische Raster.
Ein
zweiter Blick gilt der Lauffarbe. Vereinzelt findet man
beim wildfarbigen bzw. silber-wildfarbigen Farbenschlag
Küken mit hellen, gelblich-orangen Läufen. Diese dürfen
bleiben. Seltsamerweise dunkeln diese in der Regel im
Laufe des Kükenwachstums nach und zeigen später die
gewünschte schwarz-blaue Lauffarbe. Grüne Läufe, die ich
aber auch schon erlebt habe, veränderten sich jedoch nie
und blieben somit außerhalb der Vorgaben des Standards.
Vereinzelt, insbesondere im blauen Farbenschlag, findet
man auch Küken mit aufgehellten Fußsohlen und einem sehr
hellen vorderen Zehenglied und fast weißen Krallen. Auch
hier gilt: „nicht verrückt machen lassen“. Diese
Pigmentlosigkeit ist bei der späteren Bewertung -
selbstverständlich je nach Ausdehnung - von
untergeordneter Bedeutung. Das gleiche gilt für die
Krallenfarbe da diese im Standard nicht ausdrücklich
beschrieben ist.
Wenn man
schon auf die Läufe achtet, sollte man auch einen Blick
auf die Befiederung werfen. Zeigt das Küken bereits
jetzt keine Federn an Lauf und Außenzehe wird es dort
auch später keine zeigen.
In den
nächsten 8 bis 10 Wochen gilt das Augenmerk der
Vitalität und dem Wachstum - Kümmerlinge sind im
späteren Leben als Zuchttier untauglich und man sollte
sich bei Zeiten von ihnen trennen.
Mit ca.
12 Wochen wird noch einmal jedes Tier in die Hand
genommen. Die Augenfarbe und die Kammbildung sind
nunmehr die Angriffspunkte und entscheiden insbesondere
bei den Hähnen über die grüne Wiese oder die
Tiefkühltruhe. Ja, richtig, bereits in diesem Alter
schlachte ich all die Hähne die keine Kammquerfalte
zeigen - wer jetzt keine hat bekommt auch keine mehr.
Und auch Tiere mit Kammauswüchsen, schwärzlich blauen
Ohrscheiben oder gelben Augen gehen jetzt den Weg in
Richtung Küche. Gleiches gilt für Tiere mit knappen
Bärten bei denen Kehllappen erkennbar sind.
Wer
etwas Übung hat kann zu diesem Zeitpunkt auch erkennen,
welche Tiere später Probleme mit verdrehten
Schwingenfedern, fehlender Axialfeder und Flügellücke
oder Scherenflügel, haben werden. Spätestens im Alter
von 5 Monaten sollten auch diese Probleme behoben sein.
Ziehen der Federn bringt übrigens nichts - sie kommen
immer wieder verdreht ans Tageslicht zurück. Auch Tiere
mit Scherenflügel, d.h. den ständig unter den
Armschwingen gekreuzten Handschwingen, kann man nun
nicht mehr übersehen. - Seit versichert, besser wird es
nicht, also …..
Gleiches
gilt für flache Brustpartie, schmalen oder langen
Körper. Nur mit gezielter Fütterung sind auch hier keine
Wunder mehr zu erwarten.
Bei den
Perlgrauen zeigt sich nun gegebenenfalls gelber Anflug,
bei den Schwarzen oder den Blauen die unerwünschten
goldenen Federn im Halsbehang und bei den farblich nicht
sauberen silber-wildfarbigen Hähnen die unerwünschten
rötlichen Federn auf den Flügeldecken. Alles Kriterien
welche für eine Trennung von den Tieren sprechen. Und
auch Stulpenbildung kann man zu diesem Zeitpunkt nur
noch übersehen, wenn man sie denn übersehen will.
Bevor
der Sommer sich also dem Ende neigt haben sich die
Reihen schon um einiges gelichtet. Den verbliebenen
Tieren kann also mehr Platz zum Reifen geboten werden -
und wer mit dem Platz zum Reifen nun noch immer Probleme
hat sollte sich noch einmal überlegen, ob er ein jedes
Tier vielleicht doch noch einmal in die Hand nimmt um
nach einem übersehenen Fehler, z.B. einem fehlenden
Zehennagel, zu suchen.
Der
allerletzte Blick gilt jedoch der Feder. Länge und
Breite sind gefragt. Die Kontrolle der allgemeinen
Federlänge führe ich stets im Sattelbereich durch, die
Federbreite offenbart sich in der Regel aber erst in der
Schauvorbereitung beim Waschen. Erst jetzt kann man
eigentlich die wirklich aller letzten Kriterien in die
Auswahl seiner Zuchttiere einfließen lassen.
Porta
Westfalica, im März 2009
Günter Droste
Zuchtwart für Seidenhühner |