Der Stellenwert der Legeleistung und Zuchtleistung 

 

 

Wenn ich den Begriff der Rassegeflügelzucht etwas weitergehend fasse und ihn nicht mit dem heutigen Rassegeflügelstandard gleichsetze so ist dieselbe inzwischen uralt. Kunstbrut wurde im alten Ägypten bereits vor über 2.000 Jahren betrieben und so behaupte ich einfach einmal, dass die Selektion nach bestimmten Merkmalen bereits damals durchaus üblich war.

Auch in der Kampfhuhnzucht wird bereits seit Jahrhunderten nach bestimmten Merkmalen selektiert und die verschiedensten Masthuhnrassen, wie zum Beispiel Houdan oder Crèvecoeur, die in der französischen Küche vor weit über Einhundertjahren heiß begehrt waren konnten nur unter einem entsprechenden Selektionsdruck entstehen.

Wie sieht es diesbezüglich bei uns heute aus?

Die Selektion wird vorrangig durch den Standard betrieben und so stehen Schönheitsmerkmale vielfach im Vordergrund. Aber nur mit Schönheitsmerkmalen lassen sich Farbenschläge oder ganze Rassen nicht erhalten. Wenn es dem Züchter aus welchen Gründen auch immer nicht mehr möglich ist von seinen Farbenschlag oder seine Rasse (in ausreichender Anzahl) zu vermehren wird er diese Zucht wieder aufgeben. An dieser Stelle wird deutlich, welchen Stellenwert eine ausreichende Legeleistung und Zuchtleistung, d.h. eine möglichst hohe Schlupfquote von der Einlage, im Endergebnis haben.

Unter Berücksichtigung des Leitspruches des Zuchtbuches des BDRG „Durch Leistung zur Schönheit“ ist bei der Auswahl meiner Zuchttiere daher zuerst darauf zu achten, dass diese mit ihren körperlichen Merkmalen überhaupt in der Lage sind eine gute Leistung zu erbringen. Unterentwickelte Rassevertreter helfen hier nicht weiter - eine rassetypische volle Ausbildung des Rumpfes ist erforderlich um die durchschnittliche Legeleistung im Jahr entsprechend der Legeleistungstabelle unserer Rassen überhaupt zu erreichen.

An dieser Stelle einmal „Hand aufs Herz“ legen Ihre Tiere die entsprechende Anzahl an Eiern? Rassegerechte Haltung und ausgewogene Ernährung einmal vorausgesetzt?

Bei den Seidenhühnern sind dies entsprechend der Tabelle im Laufe eines Jahres (vom 1. Oktober bis 30. September des Folgejahres) im Durchschnitt mindestens 80, bei den Zwerg-Crèvecoeur 100, Zwerg-Holländer Haubenhühner 100, Zwerg-Houdan 120, Zwerg-Paduaner 100, Zwerg-Seidenhühnern 120 und Siamesische Zwerg-Seidenhühner ebenfalls 100.

Eine Antwort in der Form wie sie legen ausreichend, gut oder gar hervorragend ist da nicht besonders aussagekräftig - „Ich weis es nicht“ wäre in vielen Fällen zutreffender.

 

Im Hinblick auf die Zuchtleistung wird es dann noch etwas spannender. Zuerst ist bei der Auswahl des Hahnes zu beachten, dass dessen Mutter zumindest eine entsprechende Legeleistung erbracht hat. Sodann soll der Hahn eine gute Befruchtung der Bruteier erzielen und aus diesen möglichst viele Küken schlüpfen. Wobei für den letzten Punkt wieder beide Elterntiere verantwortlich wären. Voraussetzung dafür ist neben der bereits angesprochenen ausgewogenen Ernährung und artgerechten Haltung die sachgemäße Lagerung der Bruteier und eine entsprechende Brut. In der Kombination von Zuchthahn und Zuchthennen ist daher die Kenntnis der Erbanlagen als auch des Verwandtschaftsgrades wichtig, anderenfalls dürften gegebenenfalls auftretende Inzuchtdepressionen die bereits angesprochenen Punkte nicht wieder ad absurdum führen.

Abschließend sei festzuhalten, dass eine detaillierte Kontrolle der Herkunft des Eies und der Abstammung des Kükens Voraussetzung ist um Legeleistung und Vitalität meiner Tiere auf einem möglichst hohen Niveau zu gewährleisten und diese Punkte nach Möglichkeit noch zu steigern.

Ganz nebenbei wird man dann feststellen, dass es gar nicht mehr erforderlich ist „Unmengen“ an Küken zu erbrüten, sondern dass die Ziele die man sich gesteckt hat auch mit wesentlich kleineren Stückzahlen erreicht werden können.

 

Der eine oder andere wird sich durch diese Zeilen bestätigt fühlen, der nächste ist vielleicht neugierig geworden - an Beide eine Bitte: Dokumentieren Sie die Lege- und Zuchtleistung unserer noch immer vielfach kritisierten und belächelten Rassen auch nach außen. Werden Sie Mitglied im Zuchtbuch ihres jeweiligen Landesverbandes.

 

Porta Westfalica, im Februar 2010

Günter Droste

Schriftführer im Zuchtbuch LV Westfalen-Lippe

 

 

Auswertungen der vergangenen Jahre

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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