Zwerg Holländer Haubenhühner in Weiß

  

Die Wiege der Holländischen Haubenhühner stand, wie es der Name schon ausdrückt in den Niederlanden. Das Vorhandensein der Weißhauben kann man bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein Gemälde des Malers Jan Monkhorst aus dem Jahre 1657 zeigt eindeutig eine schwarze Henne mit einer weißen Haube. Anfang des 20. Jahrhunderts begann dann die Verzwergung der Rasse in England, Holland und Deutschland

Recht wenig ist über die Entstehung der Zwerg Holländer Haubenhühner in England bekannt. Vermutlich stellten Tiere der Großrasse den züchterischen Grundstock. Gegen 1910 gelangten die ersten Zwerge über den Ärmelkanal nach Deutschland, jedoch waren diese nicht mit unseren heutigen Tieren zu vergleiche, denn es fehlte noch an Typ und Zwergenhaftigkeit. Immer wieder tauchen die Namen Bosol, Hamburg und Strunke, Düsseldorf in der Literatur auf und dürfen wohl als Väter unserer heutigen Zwerge angesehen werden. Es wurden schwarze Bantams eingekreuzt und das brachte wohl den Durchbruch. Nach dem ersten Weltkrieg haben Deutsche und Holländische Züchter sehr eng zusammen gearbeitet und diese Kooperation trug wesentlich zur Verbreitung und zur Qualitätssteigerung der Zwerg- Holländischen  Weißhauben bei. Heute gibt es die Zwerge in den Farben schwarz, weiß, blau, gesperbert, schwarz-weißgescheckt, gelb und die Schwarzhauben. In Holland sind seit 2009 auch die Farben splash, chocolate und kakhi anerkannt, zudem sind die gestruppten Varianten in allen bekannten Farbenschlägen anerkannt. Zwerg Weißhauben in rot und  wildfarbig werden regelmäßig auf den HSS gezeigt. Interessant dabei ist die Tatsache, daß die Weißen nicht durch ein Anerkennungsverfahren in den Standard gekommen sind, sondern im Osten und Westen des damalig getrennten Landes, auf Grund der Tatsache, daß es große weiße Weißhauben gibt, einfach als Farbenschlag der Zwerge ergänzt wurden.

Zwerg Holländische Haubenhühner gehören sicherlich nicht zu den pflegeleichtesten Hühnerrassen und verlangen von dem Züchter ein erhöhtes Engagement zu Gunsten seiner Lieblinge. Ein überdachter Auslauf ist nicht zwingend erforderlich, denn sie werden auch mit dem Freilauf recht gut fertig. Die Tiere sollten jedoch vor Regen und intensiver Sonnenstrahlung geschützt werden, da die weißen Hauben zur Vergilbung neigen. Ebenso ist eine regelmäßige Parasitenkontrolle- und gegebenenfalls  Bekämpfung unerläßlich. Dies gilt besonders für die Kopfpartie, denn dort können sich die Tiere nur sehr schlecht putzen. Das Hochbinden der Hauben, wie man es früher gerne machte, ist heute dank der kleiner gewordenen Hauben nicht mehr erforderlich. Gerade die Kopfpunkte brachten unsere Haubenhühner in die unsägliche Qualzuchtdiskussion. Auch nach vielen Fortschritten, denn die Sonderrichter des SV haben streng durchgegriffen und fehlende Sichtfreiheit mit oB bewertet, treten einige Leute, auch aus unserer Organisation, immer noch nach. Es kommt nicht auf die Größe der Haube an, sondern auf die Festigkeit, Haubenrundung und auf einen Harmonische Abschluß zu Halspartie an, der nicht ausgefranst erscheinen darf, und das wichtigste, die Hauben muß zum Körper passen. Das heißt: auch zu kleine Hauben, welche an Schöpfe erinnern fallen bei der Bewertung heraus. Wichtigster Bestandteil der Sichtfreiheit ist die Schädelerhöhung, genannt Protuberanz. Ist diese weit genug vom Auge entfernt, stimmt auch die Sichtfreiheit. Die einzelnen Rassemerkmale hier wiederzugeben wäre langweilig und stehen zudem den Preisrichtern und Züchtern im Geflügelstandart zur Verfügung. Die Zwerg Holländischen Haubenhühner sollen jedenfalls in ihrer Gesamterscheinung Eleganz und Robustheit einer ausgeprägten Landhuhnform haben. Der Rumpf ohne Ecken und Kanten, mit breiten Schultern, sich zum Abschluß hin verjüngend, gestreckt und mit ausgeprägtem Bauch. Die Unterlinie gehört zum Landhuhn wie das Muskelfleisch zum Kämpfer. Da die Federstruktur bekanntlich erheblichen Anteil an der Gesamterscheinung unseres Geflügels hat, wird dem Gefieder besondere Aufmerksamkeit zu teil. Nicht nur lose Hauben sondern auch loses Schenkel- und Bauchgefieder haben bei der Bewertung keine Chancen auf höhere Noten, da der Stand in der Regel als zu tief angesehen wird. Eine breite Steuerfeder ist immer ein Vorzug. Bekanntlich haben unsere Zwerge wie auch die Großrasse keinen Kamm. Erscheint ein Tier auch noch so fein in Form und Farbe, ein Hörnerkamm besiegelt sein Schicksal. Sehr rasant wächst der Oberschnabel bei den Holländern. Auch hier ist der Züchter gefragt die überstehende Hornhaut mittels Schere und Feile zu beseitigen. Durch die rassegerecht Forderung nach aufgetriebenen Nasenlöchern kommt es gelegentlich zu krummen Oberschnäbeln. Es werden, auch bei den Hennen, mittellange und glatte Kehllappen gefordert. Zeigt eine Henne überhaupt keine Kehllappen darf sie SG nicht mehr erreichen. Was gerne übersehen wird ist die Augenfarbe, und davon spreche ich mich auch nicht frei. Aber es freut dann den Betrachter der Bewertungskarten, wenn auch ein scheinbar alter Hase sich die Tiefstnote einfängt. Wie bei vielen Zwerghuhnrassen bereitet die Schwingenlänge doch einige Sorgen. Flügel, welche weit über den zwergenhaften Körper hinausragen verderben den harmonischen Gesamteindruck. Das gleiche gilt für tief getragene Bantamflügel. Besonders vitale Hähne zeigen diese Unart, man sollte diese jedoch nicht zu hart strafen, aber auch nicht tolerieren.

Die weiße Variante ist mittlerweile zur Vollkommenheit herangewachsen und steht mit dem schwarzen Farbenschlag auf einer Stufe, aber noch zählen sie zu den Seltenen Farben in unserem Sonderverein. Und wenn ein Züchter, wie vor drei Jahren Erich Müller aus Mittelbrunn, alterbedingt die Zucht aufgeben muß, dann fehlt ein Spezialist in der ohnehin dünnen Züchterdecke. Es wurden von mir in den letzten Jahren viele Zuchttiere abgegeben, aber man sieht sie nicht wieder auf Großschauen. Auf den HSS zeigen nur W. Keil und ich noch Weiße, unterstützt von W. Diepenbroek aus Holland. Aber zurück zu den Tieren, 120 Eier sind der Durchschnitt meiner Weißen, die sich relativ spät im Jahr bequemen diese auch zu legen. Aber dank der Frohwüchsigkeit bekomme ich die Hähne in gut sechs Monaten Schaufertig. Ein reines Weiß ist Pflicht, wobei die Sonne, wie erwähnt, ein nicht unerheblicher Faktor ist, jedoch ist ein starker gelber Anflug und anders farbige Federn ein Fehler. Die Läufe sind hell schieferblau, fleischfarbige sind noch gestattet. Die Augenfarbe tendiert zwischen rot und rotbraun.

Zwerg Holländische Haubenhühner gehören bestimmt zu den Extravaganzen in der Rassegeflügelzucht. Ihre besondere Schönheit, die Eleganz in Haltung und Auftreten sowie die aparten Vollhauben sind gerade recht für Leute mit gehobenen Ansprüchen. Wobei auch ein besonders gutes Händchen, Einsatzbereitschaft, Tierliebe und nicht zuletzt Geduld vorausgesetzt werden müssen. Ein besonders rühriger Sonderverein mit einem hochmotiviertem Vorstand steht den Interessierten Züchtern mit Rat und Tat zur Seite. In ihm vereint ist auch eine Vielzahl erfahrener Züchter, welche Zuchttiere abgeben. Kontaktadresse. Frank Peschke, Hertigswalder Kirchweg 3, 01855 Sebnitz Tel: 035971-53427 oder www.sv-silkies-polands.de

 

 

Norbert Niemeyer

 

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