Zwerg-Houdan 1931

 

 

Houdanhühner

Lewis Wright, der alte und erfahrene Geflügelzüchter, sagt in seinem Buche "Der praktische Hühnerzüchter", das um das Jahr 1880 herum erschienen ist, über das Houdanhuhn etwa folgendes: "Dieses Huhn hat auf jeden Fall viel Ähnlichkeit mit den Dorkings, und Dorkingblut hat zu seiner Entstehung beigetragen. " Damit ist die Geschichte der Entstehung etwas aufgedeckt worden.

Die Houdans sind eine französische Rasse, d.h. sie sind mit Hilfe der Dorkings in Frankreich erzüchtet worden. Es entstand in dem Orte Houdan in der Nähe von Paris, und die Landsleute in der Gegend brachten ihre Ware natürlich in die Hallen von Paris, um sie dort zu verkaufen. Was Paris an Lebensmitteln verschlingen kann, hat uns Zola in seinem Buche "Der Bauch von Paris" geschildert, und hier beschreibt er auch die zartfleischigen Hühner. Der Franzose genießt viel mehr als der Deutsche Geflügelfleisch, und da er ein Feinschmecker  ist, muß das Fleisch von feinster Qualität sein. Den französischen Ansprüchen genügen aber die Houdanhühner in jeder Weise.

Man hat zu diesem Zwecke verschiedene Rassen in das ursprüngliche Landhuhn einkreuzen müssen. Man nahm das Dorkinghuhn, weil es zur damaligen Zeit  als die Fleischrasse bekannt war, die das feinste Fleisch hatte. So kreuzte man die Dorkings ein, vielleicht auch Crève-Coeur. So sind vielleicht auch die andersfarbigen Houdan entstanden. Denn die Crève-Coeur gab es früher auch in drei Farbenschlägen, oder vielmehr vier. Denn man kannte schwarze, weiße, gesperberte und blaue Crève-Coeur. Diese blauen Crève-Coeur waren nicht in der Farbe, wie sie z.B. die blauen Andalusier zeigen, deren Farbe ja mehr ein blauschwarz ist, sondern sie waren das, was der Laie mit Grau, der Züchter aber mit silberblau bezeichnet. Diese feine, zarte Färbung ist ganz entzückend. Wir haben wohl schon Houdans gesehen, die auch eine blaue Färbung zeigen, aber wie ihre schwarz-weißen Gefährten in dem blauen Gefieder einzelne weiße Flecke oder Punkte aufwiesen. Die Färbung war ganz reizend, leider ist sie anscheinend nicht weiter gezüchtet worden, und die Erscheinung blieb eine Mutation.

Fast auf dieselbe Art und Weise sind weiße Houdanhühner entstanden, auch hier hat sich der Einfluß der Crève-Coeur bemerkbar gemacht, die weißen Houdans können ja leicht aus Weiß-Schwarzen gezüchtet werden, indem man die Tiere zur Zucht benutzt, die viel Weiß zeigen und die dann mit der Zeit zu weiß gefärbten Tieren werden, sie werden sogar ein sehr schönes, reines Weiß zeigen.

Neben der Haube haben die Houdans einen Vollbart, das rote Gesicht wird durch den Bart ganz verdeckt. Der Kamm ist sehr interessant, er besteht aus zwei gut geformten Blättern mit mäßig großen Zacken. Da der Kamm einem Schmetterling ähnelt, nennt man diese Art Kämme Schmetterlingskämme.

Der Rücken ist breit, aber nur mäßig lang. Die volle Brust steht sehr weit hervor, das ist wichtig, damit das Huhn genügend Fleisch ansetzen kann. Das Houdanhuhn hat fünf Zehen, die sich auch in Kreuzungen vererben. der Hahn wiegt etwa acht, die Henne sechs Pfund.

Die Färbung der Houdans ist schwarz-weiß gescheckt, weiß und blau. das Blau der Houdans ist ein Silberblau, es ist zart und hell, von einem bestrickenden Farbenreiz.

Die andersfarbigen Houdan haben wie die anderen ein feines Fleisch und legen ebenso gut und ebenso schwere Eier. Der blaue Farbenschlag wird bei uns ganz selten gezüchtet. Wundervoll müßten sich aber blaue Houdans in einem gepflegten Park ausmachen, wenn alles nach herrlichen Blumen duftet, vom Grün des Rasens sich diese edlen Gestalten abheben und alles von Sonnengefunkel übergossen ist.

Eberhard v. Rentzell, Potsdam

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