Zwerg Holländer Haubenhühner

Weißhauben blau–gesäumt 

Eine der vordringlichsten Aufgaben in unseren Sondervereinen ist neben der Betreuung und Schulung der Mitglieder, sowie der Durchführung von Sonderschauen, die Erhaltung und Förderung von alten Farbenschlägen.

Dazu ist es nicht notwendig den seit über 100 Jahren geläufigen Eigennamen „Sonderverein“ zu verändern, sondern die Satzung bzw. die Inhalte eines jeden Sondervereines beinhalten die Förderung der Ihr anvertrauten Rassen. In unserem Sonderverein werden seit vielen Jahren an Hand der ausgestellten Tiere der letzten Schausaison und der Erhebung der Zuchttierbestände Analysen erarbeitet, welche Farbenschläge von den bei uns betreuten Rassen besonders gefördert werden müssen. Zu dieser Förderung gehören Förderpreise auf die besten 1,1 der Hauptsonderschau, spezielle Artikel über diese Farbenschläge und Gespräche mit potenziellen Experten, um diese für die Zucht zu begeistern. Dies hatte den Erfolg, dass schon mancher Farbenschlag wieder aus dem Förderprogramm herausgenommen werden konnte, da die Verbreitung als ausreichend angesehen wurde. Zusätzlich gibt es ab diesem Jahr zur Hauptsonderschau eine Leistungsprämie in Höhe von 50,00 € auf die besten drei Kollektionen mit vier Tieren, der von uns benannten und zur Jahreshauptversammlung bekannt gegebenen Farbenschläge.

Hierzu gehören ab 2008 die blau gesäumten Zwerg Holländer Haubenhühner, Weißhauben, da nur noch ein holländisches Mitglied Tiere zur Hauptsonderschau ausstellt und zwei weitere Kleinstbestände mit wenigen Tieren bekannt sind.

Wie der Werdegang dieses Farbenschlages war und welche Besonderheiten bei der Zucht blau-gesäumter Tiere zu beachten sind, soll im folgenden näher beschrieben werden.

Bereits Ende des 19.Jahrhundert wurden in England verzwergte Tiere gezeigt, waren aber wohl doch noch alle recht groß. Unabhängig davon verpaarte Karl Bosold aus Hamburg-Winterhude ab 1909 große Weißhauben mit Bantam und konnte schon 1912 die ersten recht typischen Tiere präsentieren. Nach dem ersten Weltkrieg wurde schon von einem erstaunlichen Fortschritt des Zuchtstandes gesprochen und überall wo die schwarzen Zwerge mit ihrer rein weißen Haube auf Ausstellungen auftauchten, sorgten diese für Verwunderung. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Die Nachfrage nach Zuchttieren ist nach wie vor sehr hoch, aber durch die doch etwas besonderen Haltungsbedingungen gehört die Rasse mit zu denjenigen, wo auch am meisten Züchter wieder aufgeben.

Lange Zeit waren neben dem schwarzen Farbenschlag nur noch schwarz-weißgescheckte Tiere anerkannt und erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Farbenschlagspalette um weiß, gesperbert, blau–gesäumt und gelb erweitert. Nach dem Auftreten einer weiteren Mutation der schwarzen Gefiederfarbe in braun und deren Verdünnung, als khaki bezeichnet, dürften diese beiden Farben bald zu den bereits genannten Varianten hinzukommen. Aber zurück zu den blau-gesäumten Tieren und ihrer Besonderheit der Vererbung. Generell unterscheiden wir bei unseren Hühnerrassen zwei Varianten der blauen Farbe. Einmal die perlgraue, reinerbige Farbe und zum anderen, wie bei Weißhauben anerkannt, die spalterbige Variante, die nicht durch ein aufhellen der Farbpigmente entsteht wie bei perlgrau, sondern durch eine veränderte Lage der Farbpigmente in der Feder, wodurch für uns der blaugraue Farbton entsteht. Dies tritt nicht bei allen Tieren auf und dadurch wird von einer Spalterbigkeit gesprochen. Schon an dieser Stelle zeigt sich, dass es einfacher ist, 30 Küken des reinerbigen schwarzen Farbenschlages aufzuziehen und diese alle gleich aussehen, als mit einem spalterbigen Farbenschlag zu experimentieren. Doch gerade dies macht das Züchten ungemein interessant und bei Beachtung einiger wichtiger Regeln, ist die Zahl der Nachzuchttiere auch nicht überdimensional hoch.

Verpaare ich nun blau–gesäumte Tiere untereinander, so fallen in der Nachzucht ca. 50 % Tiere in blau–gesäumt, 25 % in schwarz und 25 % in splash, womit die schmutzig–weißen Tiere gemeint sind. Nach spätestens drei Generationen werden die blauen Tiere im Hennengeschlecht immer heller und bei den Hähnen stellt sich ein brauner Anflug im Schmuckgefieder ein. Es fehlt also schwarzes Farbpigment und dies muss man wieder zuführen. Hier machen die Züchter von blau–gesäumten Tieren die meisten Fehler, indem schwarze Tiere in den Zuchtstamm einfliesen und dies oft mit der Begründung, dass die Form verbessert werden soll. Die Nachzucht hieraus zeigt dann die unreine blaue Farbe mit zuviel schwarzem Pigment und selbst beim Vorhandensein aller Rassemerkmale, können diese Tiere nicht mit höchsten Punktzahlen auf den Schauen rechnen, da es inzwischen genügend blau- gesäumte Rassen gibt, wo eine reine Farbe gezeigt wird. In der Zucht von blau–gesäumten Tieren sollte etwa aller zwei bis drei Jahre ein zweiter Zuchtstamm , bestehend aus schwarzen Tieren, möglichst nicht aus blau stammend, verpaart mit Tieren in splash, zusammengestellt werden. Die daraus fallende Nachzucht ist 100 % blau–gesäumt, aber auch noch etwas mit schwarzem Pigment überlagert und genau diese Tiere kommen zurück in den blauen Zuchtstamm. Bereits in der ersten Nachzucht daraus kann man sich über Tiere mit reiner und gleichmäßiger blauer Farbe erfreuen und jede Feder zeigt einen entsprechend dunklen Saum. In älteren Standardbeschreibungen wird noch oft von den beiden Varianten, mit und ohne Saum gesprochen, aber es ist richtig, dass alle blau- gesäumten Tiere, auf Grund der Spalterbigkeit einen Saum zeigen. Bei der Bewertung dieses Farbenschlages, kommt es neben den entsprechenden Rassemerkmalen, besonders darauf an, dass die blaue Farbe gleichmäßig und ohne Brauntöne, sowie ohne schwarze Pigmenthäufungen vorhanden ist. Dabei ist für mich die Frage danach, ob das blau etwas heller oder etwas dunkler ist, bzw. der Saum etwas breiter oder etwas schmaler, nicht von entscheidender Bedeutung. Beim Beachten dieser Hinweise stellen sich Erfolge sehr bald ein und der Kontrast eines gleichmäßigen Blaues bei den Hennen und dem deutlich dunkleren Behängen der Hähne zu der weißen Haube, stehen in der Attraktivität den schwarzen Tieren in Nichts nach.

 

Frank Peschke   

 

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