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Zwerg-Seidenhühner
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl
von Rassen und noch viel mehr Farbenschläge, und es
dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Die
Entstehungsgeschichte der Seidenhühner ist nicht
vollständig geklärt. Sicher ist, daß diese Hühner etwa
seit dem 12. Jahrhundert immer wieder erwähnt werden.
Die Zwerg-Seidenhühner gibt es seit 1987. In den letzten
Jahren sind neben den ursprünglichen Farbschlägen weiß,
schwarz und wildfarbig im Jahr 1999 die Silbergrauen,
2002 die Gelben, 2003 die Perlgrauen dazugekommen und
2008 die Blauen. Und die Erweiterung der Farbpalette in
Anlehnung an die Großen wird nicht lange auf sich warten
lassen.
Wenn man jedoch nach etwas ganz
Besonderem sucht, nämlich einer Rasse, die sehr alt und
bei unserem Hang zur Perfektion noch ganz natürlich
geblieben ist, landet der Interessierte irgendwann bei
den Zwerg-Seidenhühnern. Ihre Haltung bietet eigentlich
nur Vorteile in der heutigen Zeit. Sie sind absolut
robust, pflegeleicht und sorgen für den Fortbestand
ihrer Art eifrig und vor allen Dingen vollkommen
selbständig. Sie fliegen nicht über Zäune, sind ruhig,
zutraulich und fressen dem Halter bei entsprechender
Pflege aus der Hand. Das Sozialverhalten ist sehr
ausgeprägt, und wenn man sie nicht in einen Auslauf
sperrt, verfolgen sie einen bis ins Haus. Aber auch ein
nur kleiner Auslauf genügt Ihnen. Gerade dies ist in der
heutigen Zeit mit vielfach knappem Platzangebot oftmals
ausschlaggebend.
Haltung, Fütterung und Pflege
Die Haltung ist bemerkenswert
einfach. Der Stall sollte von genügender Größe, hell,
sauber, trocken und zugfrei und mit reichlich Einstreu
versehen sein. Der Ein- und Ausstieg liegt an der dem
Wetter abgewandten Seite und die Luke sollte fest
verschließbar sein, um nächtlichen Räubern den Eintritt
und den Hühnern am frühen Morgen, den Nachbarn zuliebe,
den Austritt zu verwehren. Nester sind meiner Ansicht
nach überflüssig, der Hühner Ansicht nach dazu da, um
sich zum Schlafen, egal zu wie vielen, eben auf dieses
für die Eiablage vorgesehene Nestchen zu drängeln. Als
Folge gibt es stark verschmutzte Nester und Eier, und
eventuell darin befindliches Heu wird sorgsam im ganzen
Stall verteilt. Also kann der Halter sich den Aufwand
sparen, denn die Hennen legen sowieso das Ei dort ab, wo
sie wollen, und nicht unbedingt dort, wo wir es gerne
hätten. Die sonst übliche Sitzstange läßt man getrost
weg, sie wird doch nicht benutzt! Die Gefahr des
Herunterfallens ist schließlich nicht vom Flügel zu
weisen, da sie ja aufgrund der Federstruktur nur
eingeschränkt fliegen können. Einige wissen es nicht,
probieren es und fallen buchstäblich auf den Schnabel.
Aber der bevorzugte Schlafplatz ist und bleibt der
Stallboden, und selbst Sitzstangen in geringer Höhe
werden konsequent ignoriert. Auch die Einfriedung des
Auslaufes, sofern erwünscht oder notwendig, kann sich
auf eine Höhe von 50 – 70 cm beschränken. Normalerweise
wird diese Höhe nicht überwunden.

Eine Isolierung der Ställe kann sein,
muß aber nicht. Die Seidenhühner und deren Zwerge sind
absolut winterhart und robust, allen anders lautenden
Berichten zum Trotz. In Skandinavien werden sie zum Teil
in offenen Holzställchen gehalten, und sie gedeihen
prächtig. Kammerfrierungen habe ich noch nicht
beobachtet, lediglich bei den bartlosen Tieren sind die
Kehllappen gefährdet, wenn diese beim Trinken naß werden
und die Tiere sich bei Minusgraden im Freien aufhalten.
Dieses kann vermieden werden, indem man den Tieren im
Winter, so vorhanden, einfach Schneebälle zur Verfügung
stellen. Fein zerstoßenes Eis erfüllt genau den gleichen
Zweck, und es genügt Ihnen völlig. Es wird dem eventuell
durch Tränkenwärmer angewärmten Wasser sogar vorgezogen.
Sie trotzen der Kälte genauso wie Sturm und Regen. Oft
habe ich beobachtet, wie die Tiere vom Wind fast
umgepustet wurden, sich aber mit aller Kraft gegen
selbigen stemmten und weiter auf Futtersuche im Freien
waren. Regenwetter ist kein Anlaß für den
Stallaufenthalt, es könnte ja ein Würmchen nicht
gefunden werden. Wenn es allerdings richtig schüttet,
flüchten auch die Zwerg-Seidenhühner ins Trockene und
beginnen alsdann mit der gegenseitigen Gefiederpflege.
Wenn die Kameraden pudelnaß durch die Gegend flitzen
und sich hin und wieder die Nässe aus dem Gefieder
schütteln wie ein Hund, könnte man beinahe Mitleid mit
Ihnen bekommen. Aber beim genauen Betrachten dieser
Jammergestalten stellt man fest, daß nur die obersten
Federschichten naß geworden sind und durch die leicht
aufgerichtete Körperhaltung, die sie bei Regen
einnehmen, das Wasser einfach an Ihnen herunter gelaufen
ist , so daß das flaumreiche Untergefieder stets trocken
bleibt, und am anderen Morgen sind sie wieder topfit und
flauschig trocken. Ich möchte diese Hühnerrasse schon
fast als Freiluftfanatiker bezeichnen, denn sie sind
wirklich unermüdlich im Freien unterwegs, vom ersten
Morgengrauen bis hin zur Dunkelheit, Dämmerung reicht da
nicht aus. Sie sehen einen mit ihren dunklen Augen
fragend an: jetzt schon in den Stall??? Nicht noch ein
wenig?? Und wenn sie können, ärgern sie den
verzweifelten Halter und suchen das Weite, statt in den
Stall zu gehen. Mit Hartnäckigkeit, Ausdauer und
eventuell ein paar Leckereien ist ihnen beizukommen, so
daß sie nach Aufforderung den Stall aufsuchen, wenn auch
ungern.

Die Zwerg-Seidenhühner sind eifrige
Futtersucher und dabei genügsam. Einfaches,
handelsübliches Körnerfutter reicht völlig aus, Mehle
sind nach meinen Erfahrungen nicht empfehlenswert, da
das Schopfgefieder leicht mit diesem verklebt, wenn es
draußen feucht ist. Gemischtes Körnerfutter reicht
völlig aus, mit Legekorn tun wir ein zuviel des Guten.
Leckereien wie Haferflocken oder möglichst schwarzen
Sonnenblumenkernen stehen sie sehr aufgeschlossen
gegenüber. Auf diese Weise erreicht man eine enorme
Zutraulichkeit und tut viel für das Wohlbefinden der
Tiere. Sie danken es mit Vitalität und einem glänzenden
Gefieder. Allgemeine Fütterungsempfehlungen zu geben,
halte ich für überflüssig, denn verschiedene
Futtersorten sind nicht überall erhältlich, und der
Züchter muß halt das nehmen, was er vor Ort bekommt.
Essensreste oder ähnliches zu verfüttern, lehne ich ab,
da diese Art der Fütterung eher Mastcharakter hat. Zum
Leckern kann gelegentlich ein zerkrümeltes, trockenes
Brötchen dienen, aber wirklich nur ein wenig. Auch hoch
proteinhaltige Aufzuchtfutter oder stark ölhaltige
Sämereien sind nichts für die Zwerg-Seidenhühner, da sie
dann dazu neigen, zu groß zu werden oder zu verfetten.
Als sehr gutes Beifutter haben sich, wie bekannt ist,
Möhren erwiesen. Sie werden sehr gern gefressen, ja
meinen Tieren muß ich sie sogar rationieren. Wenn sie
anfangs nicht im Ganzen angenommen werden, raspelt man
diese, und nach kurzer Zeit kann darauf verzichtet
werden. Und wer die Zeit und die Möglichkeit dazu hat,
sollte Brennesseln trocknen und zerkleinern. In der
Zuchtperiode verabreicht, ist dies wertvolles
Grünfutter. Im Frühjahr dienen die ersten Nesseln den
Küken als Grünfutter, werden gern aufgenommen und sind
durch ihren stets wechselnden Säuregehalt ein gutes
Vorbeugemittel gegen die Kokzidiose.
Unsere Zwerg-Seidenhühner sind eine
frohwüchsige, frühreife und vitale Rasse. Der Züchter
kann unabhängig von der Jahreszeit mit dem Einsammeln
der Eier beginnen. Die Seidenhühner sind ausgezeichnete
Winterleger und benötigen keinen künstlich verlängerten
Tagesablauf, um die Eiproduktion anzuregen Allerdings
wird jeder, der Seidenhühner oder Zwerg-Seidenhühner
züchtet, von der ausgeprägten Brutlust sein Leid klagen
oder Loblied singen können, je nach Sichtweise. Der des
Lobes voll ist, macht sich keine Gedanken über fehlende
Eier in der Zuchtzeit; der des Leides voll ist, probiert
alle List und jede Tücke aus, um den Hennen die Brütigkeit schnell auszureden. Sobald ich annähernd
genügend Eier von den Hennen erhalten habe, laß ich
Ihnen ihren Willen und sie dürfen im Stall solange in
der Ecke sitzen wie sie wollen und die nicht vorhandenen
Eier ausbrüten. Es dauert dann so vier bis hin zu zwölf
Wochen, bis sie genug davon haben und am Herdenleben
wieder teilnehmen.
Eine weitere Besonderheit ist neben
der Seidenfiedrigkeit, die vermutlich aufgrund einer
Mutation entstanden ist, und den türkisfarbenen
Ohrscheiben die tiefblaue Haut und das bläuliche
Fleisch. Die blaue Farbe findet sich auch an den Knochen
wieder. Da es hier, wie in jeder anderen Zucht auch,
Tiere gibt, die für die Weiterzucht nicht geeignet sind,
bleibt den meisten, vor allem den reichlich vorhandenen
Hähnchen, sofern sie nicht an Liebhaber weitergegeben
werden können, nur der Weg in die Küche. Keine Angst vor
dem Verzehr des Fleisches! Es ist, anders lautenden
Behauptungen zum Trotz, absolut genießbar. Und wenn der
Anblick zunächst auch ungewöhnlich sein mag, es schmeckt
vorzüglich und stellt eine Bereicherung des Speiseplanes
dar.
Ist die Aufzucht erfolgreich, so wird
der Züchter die für die Weiterzucht nicht tauglichen
Tiere aussortieren, den einen Teil an Hobbyhalter
weitergeben, und den übrigen den Gang in die heimische
Kühltruhe nicht ersparen können.
Jutta Perthun |